VIRGINIA auf der Leipziger Buchmesse: Halle 5, H 308
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Editorial Virginia Nr. 78 (Frühjahr 2026)

 

Liebe Leserinnen,

Eine traurige Nachricht vorab: Ende des vorigen Jahres hat der Frauenbuchladen Thalestris in Tübingen leider mangels Nachfolgerinnen geschlossen. Er wurde 1979 als Projekt der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung gegründet und war seitdem nicht nur eine Fachbuchhandlung, sondern auch ein Ort der Vernetzung für Frauen. Hanne Haeusler,Nicola Poppe und Kornelia Wagenblast, die mit zu den Gründerinnen gehörten, führten ihn ehrenamtlich bis zum Ende. Für sie war es mehr als ein Buchladen, es war ihre Wahlfamilie. Wir waren sehr beeindruckt von ihrer Arbeit und möchten ihnen für die langjährige gute Zusammenarbeit ganz herzlich danken.

Neu hingegen ist der Ilse-Schwepcke-Preis für Neuerscheinungen weiblicher Reiseliteratur in englischer wie in deutscher Sprache. Erinnert werden soll damit an die engagierte Verlegerin Ilse Schwepcke, geb. Haus (1929–2023). Wie ihre Tochter auf der Website des Preises festhält: "Wir, die Gründer:innen der Ilse-Schwepcke-Preise, möchten wissen, wie Frauen heute in die Welt hinausblicken, was sie fühlen, lernen, verstehen, wenn sie auf Reisen sind. ›Diese Literaturpreise im Namen meiner Mutter werden die Abenteuerlust, die Auffassungsgabe und den literarischen Anspruch von Frauen feiern – in einer Zeit, in der Frauenrechte an vielen Orten der Welt bedroht sind.‹, sagt Barbara Schwepcke, die die Idee zu den Auszeichnungen hatte."

Erstmals verliehen wurden die beiden Preise auf der Frankfurter Buchmesse 2025. Dort wurde die ersten Gewinnerinnen bekannt gegeben: der Preis für den deutschen Titel ging an die leidenschaftliche Zugreisende Millay Hyatt, die Autorin von Nachtzugtage (Friedenauer Presse), der für den englischen Titel an die Wanderin Ursula Martin, Autorin von One Woman Walks Europe: from Wales to Ukraine and back again (Honno Welsh Women’s Press). Herzlichen Glückwunsch an beide Autorinnen! Besonders freut uns, dass beide Bücher in unabhängigen Verlagen erschienen sind.

Gratulieren möchten wir auch ganz herzlich der Verlegerin Else Laudan zum diesjährigen Ehren-Glauser! In der Begründung des Syndikats, dem Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur, heißt es: "Unter dem Ariadne-Logo erschienen mit großem Erfolg Romane mit heterosexuellen und lesbischen Heldinnen, und die Reihe bot von Anfang an auch neuen deutschsprachigen Autorinnen eine Chance. Einige von ihnen erwiesen sich als Zugpferde und Vorbilder, etwa Monika Geier, Dagmar Scharsich, Merle Kröger, Christine Lehmann und Anne Goldmann. Sie alle schrieben und schreiben über starke Frauen und betrachten die Welt mit sozialkritischem Blick – Gegenentwürfe zu einer Krimi-Welt, in der weibliche Figuren fast nur als Opfer, Trophäe oder Ornament auftraten. (…) 2015 schloss sich Else Laudan mit einigen Autorinnen zusammen und gründete das Netzwerk HERland, um Frauen sichtbarer zu machen, die sich kritisch schreibend mit der Gegenwart auseinandersetzen. Seit 2024 vergibt das Netzwerk ein Arbeitsstipendium, 'um feministischen Mut im Genre zu fördern'. (…) Else Laudan ist es zu verdanken, dass in der deutschsprachigen Krimilandschaft feministische und politische Themen nicht übersehen werden können." Daher ist es wenig erstaunlich, dass Krimis aus der Ariadne-Reihe regelmäßig in unseren Empfehlungen zu finden sind.

Wir wünschen wie immer eine anregende Lektüre